Lateral
Lateral ist eine anatomische Lage- und Richtungsbezeichnung, die eine Position seitlich beziehungsweise von der Körpermitte entfernt beschreibt. Der Begriff wird in der Medizin, Anatomie und Sportwissenschaft verwendet, um die räumliche Lage von Knochen, Muskeln, Gelenken und anderen anatomischen Strukturen eindeutig anzugeben. Die Orientierung erfolgt anhand einer gedachten Ebene, die den menschlichen Körper in eine rechte und eine linke Hälfte teilt. Das Gegenteil von lateral ist medial und bezeichnet eine Position zur Körpermitte hin. Im Laufsport wird lateral insbesondere bei der Beschreibung von Strukturen, Bewegungsabläufen und Beschwerden an Knie, Unterschenkel, Sprunggelenk und Fuß verwendet.
Inhaltsverzeichnis14 Abschnitte
Herkunft des Begriffs
Die anatomische Bezeichnung lateral leitet sich vom lateinischen Wort lateralis ab, das „seitlich“ oder „zur Seite gehörend“ bedeutet. Der sprachliche Ursprung liegt im lateinischen Substantiv latus, dessen Genitivform lateris lautet und das die Seite beziehungsweise Flanke bezeichnet.
In der medizinischen Fachsprache gehört lateral zu den grundlegenden anatomischen Lage- und Richtungsbezeichnungen. Diese ermöglichen eine eindeutige Beschreibung körperlicher Strukturen und ihrer räumlichen Beziehungen zueinander.
Der Begriff wird international in der anatomischen Terminologie verwendet und ist Bestandteil medizinischer Untersuchungsbefunde, anatomischer Lehrwerke sowie sportwissenschaftlicher und biomechanischer Beschreibungen.
Bedeutung in der Anatomie
Lateral beschreibt die Lage einer anatomischen Struktur im Verhältnis zur Körpermitte. Als Bezugspunkt dient die sogenannte Medianebene, eine gedachte senkrechte Ebene, die den menschlichen Körper in eine rechte und eine linke Hälfte teilt.
Strukturen, die weiter von dieser Ebene entfernt liegen, werden im Vergleich zu näher an der Körpermitte gelegenen Strukturen als lateral bezeichnet.
Die Lagebezeichnung ist dabei relativ. Eine Struktur kann gegenüber einer anderen lateral liegen, ohne sich unmittelbar an der äußeren Körperoberfläche zu befinden.
Ein Beispiel liefert das Kniegelenk. Der Außenmeniskus befindet sich auf der lateralen Seite des Knies, während der Innenmeniskus medial liegt. Diese Zuordnung gilt sowohl für das rechte als auch für das linke Knie.
Lateral bezeichnet somit keine bestimmte Körperseite, sondern eine räumliche Orientierung von der anatomischen Körpermitte weg.
Anatomische Orientierung
Die Grundlage anatomischer Lage- und Richtungsbezeichnungen bildet die anatomische Normalposition. In dieser steht der menschliche Körper aufrecht, der Blick ist nach vorne gerichtet und die Arme hängen seitlich am Körper. Die Handflächen zeigen nach vorne, während die Füße parallel stehen und die Zehen nach vorne gerichtet sind.
Aus dieser Position ergeben sich feste anatomische Orientierungen, die unabhängig von der tatsächlichen Körperhaltung verwendet werden.
Für die Bezeichnung lateral gelten folgende Merkmale:
- Orientierung von der gedachten Körpermitte weg
- Bezug zur Medianebene des menschlichen Körpers
- Beschreibung einer seitlichen beziehungsweise körpermittenfernen Lage
- Unabhängigkeit von der rechten oder linken Körperseite
- Relative Lagebestimmung zwischen anatomischen Strukturen
Diese einheitliche Orientierung ermöglicht eine präzise Beschreibung von Körperregionen und verhindert Missverständnisse bei medizinischen Untersuchungen.
Unterschied zwischen lateral und medial
Lateral und medial sind gegensätzliche anatomische Richtungsbezeichnungen. Während lateral eine Lage von der Körpermitte entfernt beschreibt, bezeichnet medial eine Position, die näher an der Medianebene liegt.
Besonders anschaulich lässt sich die Unterscheidung am menschlichen Fuß darstellen.
- Lateral: Die Kleinzehenseite beziehungsweise der äußere Fußrand.
- Medial: Die Großzehenseite beziehungsweise der innere Fußrand.
Auch am Kniegelenk wird zwischen einer medialen und einer lateralen Seite unterschieden. Der Außenmeniskus und das Außenband befinden sich lateral, während der Innenmeniskus und das Innenband medial gelegen sind.
Die beiden Richtungsbezeichnungen beschreiben ausschließlich die anatomische Position. Sie enthalten keine Aussage über die Funktion, Belastbarkeit oder den Gesundheitszustand einer Struktur.
Von diesen Begriffen abzugrenzen ist die Bezeichnung median. Sie beschreibt eine Lage unmittelbar in der Medianebene des Körpers und ist daher nicht mit medial gleichzusetzen.
Bedeutung im Laufsport
Im Laufsport besitzt die anatomische Bezeichnung lateral eine besondere Bedeutung bei der Untersuchung und Beschreibung von Belastungen, Bewegungen und Verletzungen der unteren Extremitäten.
Während des Laufens wirken bei jedem Bodenkontakt Kräfte auf den Bewegungsapparat. Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben bei der Stoßdämpfung, Stabilisierung und Fortbewegung.

Die genaue anatomische Lage dieser Strukturen ist für die sportmedizinische Diagnostik und die biomechanische Bewegungsanalyse von Bedeutung.
Typische Anwendungsbereiche sind:
- Beschreibung von Schmerzen an der Außenseite des Kniegelenks
- Untersuchung lateraler Bänder am Sprunggelenk
- Beurteilung von Belastungen am äußeren Fußrand
- Analyse der Fußstellung und des Abrollverhaltens
- Beschreibung seitlicher Bewegungen und Gelenkstellungen
- Lokalisierung von Muskel-, Sehnen- und Bandverletzungen
- Dokumentation sportmedizinischer Untersuchungsbefunde
Die Bezeichnung lateral ermöglicht dabei eine eindeutige räumliche Zuordnung von Beschwerden, ohne bereits eine Aussage über deren Ursache zu treffen.
Beispiele aus der Sportmedizin
Laterales Kniegelenk
An der Außenseite des Kniegelenks befinden sich verschiedene anatomische Strukturen, die für die Stabilität und Funktion des Gelenks von Bedeutung sind.
Hierzu gehören unter anderem der Außenmeniskus, das laterale Kollateralband und der Tractus iliotibialis.
Das laterale Kollateralband, auch Außenband genannt, trägt zur seitlichen Stabilisierung des Kniegelenks bei. Der Außenmeniskus unterstützt die Lastverteilung innerhalb des Gelenks und trägt zur Gelenkfunktion bei.
Eine bekannte laufbedingte Beschwerde im lateralen Kniebereich ist das iliotibiale Bandsyndrom (ITBS), das häufig als Läuferknie bezeichnet wird. Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen an der äußeren Kniepartie.
Allerdings können laterale Knieschmerzen auch durch andere Strukturen verursacht werden. Die anatomische Lage allein ermöglicht deshalb keine eindeutige Diagnose.
Laterales Sprunggelenk
Am Sprunggelenk bezeichnet lateral die äußere Gelenkseite. Dort befindet sich der Außenknöchel, der durch das untere Ende des Wadenbeins (Fibula) gebildet wird.
Mehrere Bänder stabilisieren diesen Bereich. Zu den wichtigsten gehören das vordere und hintere talofibulare Band sowie das kalkaneofibulare Band.
Eine häufige Verletzung des lateralen Sprunggelenks ist die Außenbandverletzung nach einem Umknicktrauma. Dabei kommt es typischerweise zu einer übermäßigen Inversion des Fußes, wodurch die äußeren Bandstrukturen belastet und gegebenenfalls verletzt werden.
Solche Verletzungen können sowohl beim Straßenlauf als auch beim Trailrunning auftreten, insbesondere auf unebenem Untergrund oder bei plötzlichen Richtungsänderungen.
Lateraler Fußbereich
Am Fuß beschreibt lateral die zur Kleinzehe gerichtete Außenseite. Zu den dort gelegenen Strukturen gehören unter anderem der fünfte Mittelfußknochen, der äußere Fußrand und die in diesem Bereich verlaufenden Sehnen der Fibularismuskulatur.
Diese Muskel-Sehnen-Einheiten sind an der Bewegung und Stabilisierung des Fußes beteiligt. Sie unterstützen unter anderem die Eversion und wirken bestimmten Umknickbewegungen entgegen.
In der Laufanalyse wird der laterale Fußbereich häufig bei der Untersuchung des initialen Bodenkontakts und der anschließenden Druckverteilung betrachtet.
Eine Belastung des äußeren Fußrandes ist dabei nicht automatisch als Fehlbelastung zu bewerten. Entscheidend sind der gesamte Bewegungsablauf, die individuelle Fußanatomie sowie die auf den Bewegungsapparat wirkenden Kräfte.
Lateral in der Laufbiomechanik
In der Laufbiomechanik wird der Begriff lateral verwendet, um Bewegungsrichtungen, Gelenkstellungen und Belastungsverteilungen räumlich zu beschreiben.
Während eines Laufschritts verändert sich die Druckverteilung unter dem Fuß kontinuierlich. Insbesondere bei einem Rückfußaufsatz erfolgt der erste Bodenkontakt häufig im eher lateralen Fersenbereich. Anschließend verändern sich die Belastungsverhältnisse während der Standphase.
Die dabei stattfindenden Bewegungen sind Teil des natürlichen Bewegungsablaufs und werden unter anderem durch die Pronation und Supination des Fußes beeinflusst.
Bei der Beurteilung dieser Bewegungen wird zwischen medialen und lateralen Fußbereichen unterschieden. Eine ausgeprägte Belastung des äußeren Fußrandes kann beispielsweise im Zusammenhang mit bestimmten Fußstellungen oder individuellen Bewegungsmustern auftreten.
Die Begriffe lateral und medial beschreiben dabei lediglich die räumliche Orientierung. Ob eine Bewegung oder Belastung physiologisch ist oder ein erhöhtes Verletzungsrisiko begünstigt, lässt sich nicht allein anhand dieser Lagebezeichnungen bestimmen.
Auch bei der Analyse der Beinachse, der Hüftstabilität und der Kniebewegung finden laterale Richtungsangaben Verwendung. Sie ermöglichen es, Bewegungsmuster wissenschaftlich präzise zu dokumentieren und miteinander zu vergleichen.
Zusammengesetzte Lagebezeichnungen
In der anatomischen Fachsprache wird lateral häufig mit weiteren Richtungsbezeichnungen kombiniert. Dadurch lassen sich die Position und Orientierung anatomischer Strukturen genauer beschreiben.
Zu den gebräuchlichen Kombinationen gehören:
- Anterolateral: Vorne und seitlich beziehungsweise von der Körpermitte entfernt gelegen.
- Posterolateral: Hinten und seitlich gelegen.
- Dorsolateral: Rückenseitig und seitlich gelegen.
- Mediolateral: In einer Richtung zwischen der medialen und lateralen Seite verlaufend.
- Laterolateral: Von einer Körperseite zur anderen verlaufend.
Die Bezeichnung anterolateral wird beispielsweise verwendet, um einen Bereich an der vorderen Außenseite des Sprunggelenks zu beschreiben.
Posterolateral bezeichnet dagegen eine Position, die sowohl rückwärtig als auch seitlich gelegen ist, beispielsweise im Bereich der hinteren äußeren Kniegelenksstrukturen.
Solche zusammengesetzten Lagebezeichnungen sind insbesondere in der Orthopädie, Unfallchirurgie, Sportmedizin und bildgebenden Diagnostik verbreitet.
Häufige Missverständnisse
- Lateral bedeutet immer außen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird lateral häufig mit außenseitig gleichgesetzt. Anatomisch beschreibt der Begriff jedoch präzise die Lage von der Medianebene entfernt. Eine lateral gelegene Struktur muss sich daher nicht unmittelbar an der Körperoberfläche befinden. - Lateral bezeichnet immer die rechte oder linke Körperseite.
Lateral ist keine Bezeichnung für rechts oder links. Sowohl an der rechten als auch an der linken Körperhälfte können Strukturen medial oder lateral gelegen sein. Ausschlaggebend ist ausschließlich ihre Lage zur Medianebene. - Lateral und peripher sind identisch.
Die Begriffe besitzen unterschiedliche Bedeutungen. Lateral beschreibt die Orientierung zur Körperseite, während peripher allgemein eine Lage außerhalb eines Zentrums beziehungsweise weiter von einem Bezugsmittelpunkt entfernt bezeichnet. - Eine laterale Fußbelastung ist grundsätzlich problematisch.
Die Belastung des äußeren Fußbereichs gehört zu verschiedenen Phasen des natürlichen Laufbewegungsablaufs. Aus einer lateralen Druckverteilung allein lässt sich keine krankhafte Fehlstellung oder Überlastung ableiten. - Lateral bedeutet dasselbe wie Supination.
Lateral ist eine anatomische Lagebezeichnung, während Supination eine komplexe Bewegung beziehungsweise Stellung beschreibt. Beide Begriffe können bei der Analyse des Fußes zusammen auftreten, sind jedoch nicht gleichbedeutend.
Verwandte Begriffe
- Medial
- Median
- Medianebene
- Anatomische Normalposition
- Pronation
- Supination
- Überpronation
- Unterpronation
- Inversion
- Eversion
- Laufbiomechanik
- Läuferknie
- Tractus iliotibialis
- Außenbandverletzung
Einzelnachweise
- DocCheck Flexikon (o. J.): Lateral. Online verfügbar unter: https://flexikon.doccheck.com/de/Lateral
- DocCheck Flexikon (o. J.): Anatomische Lage- und Richtungsbezeichnungen. Online verfügbar unter: https://flexikon.doccheck.com/de/Anatomische_Lage-_und_Richtungsbezeichnungen
- Kenhub (2023): Anatomische Richtungsbezeichnungen und Körperebenen. Online verfügbar unter: https://www.kenhub.com/de/library/anatomie/richtungsbezeichnungen-und-korperebenen
- Geisler, P. R. (2021): Current Clinical Concepts: Synthesizing the Available Evidence for Improved Clinical Outcomes in Iliotibial Band Impingement Syndrome. Journal of Athletic Training, 56(8), 805–815.
- Delahunt, E. et al. (2018): Clinical assessment of acute lateral ankle sprain injuries (ROAST): 2019 consensus statement and recommendations of the International Ankle Consortium. British Journal of Sports Medicine, 52(20), 1304–1310. https://doi.org/10.1136/bjsports-2017-098885

